Auswahlverfahren bei Bewerbungen
Da in den meisten Unternehmen deutlich mehr Bewerber auf eine Stellenanzeige antworten, als vermutet, fällt die Wahl des richtigen Bewerbers nicht immer leicht. Deshalb haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Auswahlverfahren entwickelt, mit Hilfe derer festgestellt werden soll, welche Bewerber am besten zum Unternehmen passen. Bei diesen Auswahlverfahren erfahren die Unternehmen mehr über die Bewerber, als es im Vorstellungsgespräch möglich ist oder aus den Unterlagen hervorgeht. Grob lassen sich die Auswahlverfahren dabei in die Einstellungstests und die Assessment-Center unterteilen.
Die Einstellungstests
Die Einstellungstests sind recht unterschiedlich geartet, lassen sich jedoch in reine Kenntnisprüfungen, praktische Tests und psychologische Testverfahren untergliedern. Diese Tests entscheiden in vielen Fällen, ob ein Bewerber zum Unternehmen passt oder nicht.
Kenntnisprüfungen
Bei dieser Variante der Einstellungstests geht es vor allen Dingen darum, die Kenntnisse der Bewerber abzufragen. Üblicherweise werden die Prüfungen schriftlich durchgeführt, sie bestehen aus mehreren Teilbereichen. Zunächst werden die grundlegenden Deutsch-Kenntnisse überprüft. Hier kommen Diktate und Lückentexte in Frage, um zu prüfen, inwieweit der Bewerber die deutsche Rechtschreibung beherrscht.
Weiterhin sind mathematische Aufgaben zu lösen, diese werden häufig in Textform gestellt, um so festzustellen, ob die Bewerber in der Lage sind, aus Textaufgaben die wesentlichen Punkte heraus zu filtern. Oftmals ist auch der Taschenrechner bei den mathematischen Aufgaben verboten, da dieser bei der späteren Arbeit ebenfalls nicht immer zur Verfügung steht.
Im dritten Bereich werden den Bewerbern Multiple Choice Aufgaben gestellt. Diese sollen das Allgemeinwissen der Bewerber darstellen. Vorrangig geht es um geschichtliche, religiöse und politische Fragen, aber ebenfalls um das Wissen rund um aktuelle Geschehnisse.
Praktische Tests
Praktische Tests werden vor allen Dingen in handwerklichen und künstlerischen Berufen durchgeführt. Direkt in der Praxis sollen die Bewerber dann zeigen, was in ihnen steckt. So muss im handwerklichen Beruf ein Stück nach gewissen Vorgaben erarbeitet werden, im musischen Bereich wird ein Vorspielen anberaumt und im grafischen Bereich kann eine Mappe zwar eine erste Entscheidungshilfe sein, doch wollen Unternehmen auch wissen, wie die Kreativität unter Zeitdruck fließt. Deshalb wird den Bewerbern eine Aufgabe gestellt, die innerhalb einer bestimmten Zeit zu verrichten ist. Das Ergebnis wird dann meist vom direkten Vorgesetzten und dem Chef persönlich in Augenschein genommen und bewertet.
Psychologische Testverfahren
In den psychologischen Testverfahren zur Auswahl der geeigneten Bewerber geht es vorrangig darum, die Stärken und Schwächen in der Persönlichkeit der Bewerber herauszufinden. Hierfür werden von Psychologen entwickelte Tests angewendet. Die Fragestellungen lassen den Bewerber meist nicht erkennen, was genau hier getestet werden soll.
In der Regel untergliedern sich die psychologischen Testverfahren in einen Leistungs- und einen Selbsteinschätzungstest. Beim Leistungstest werden die besonderen Begabungen einer Person untersucht. So sollen die Bewerber zeigen, wie gut logisches Denken beherrscht wird, wie sie mit Zahlen umgehen oder welches räumliche Vorstellungsvermögen sie aufweisen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, das Sprachverständnis, sowie die Merk- und Konzentrationsfähigkeit zu untersuchen. Ebenfalls wird das technische Verständnis der Bewerber hierbei ermittelt.
Im psychologischen Selbsteinschätzungsverfahren geht es dagegen darum, die eigenen Interessen und Persönlichkeitsmerkmale einzuschätzen. Dieses Verfahren läuft oft mittels Multiple Choice Fragen ab. Die Arbeitgeber wollen damit herausfinden, welche Vorlieben, aber auch welche Eigenheiten die Bewerber haben.
Assessment Center
Das Assessment Center, kurz AC genannt, ist eine häufige Form zur Beurteilung von Bewerbern auf eine Stelle. Mit Hilfe nachgestellter Situationen sollen die Bewerber in einer Gruppe verschiedene Fähigkeiten unter Beweis stellen. Dabei werden immer die Fähigkeiten besonders von den Personalern, den Moderatoren und weiteren Beobachtern heraus gefiltert, die für die betreffende Stelle von besonderer Bedeutung sind. Die häufigsten Übungen sind in der Selbstpräsentation, in Interviews und Rollenspielen zu finden.
Assessment-Center dauern ein bis drei Tage an. Geprüft werden jeweils sechs bis zwölf Bewerber auf die unterschiedlichsten Fähigkeiten und Kenntnisse hin.
Selbstpräsentation und Interviews
Bei der Selbstpräsentation geht es vor allem darum, dass sich die Bewerber kurz vorstellen und erläutern, was sie derzeit beruflich machen. Ebenfalls kann es zu Interviews zwischen Moderator und Bewerbern oder zwischen den Bewerbern selbst kommen. Die Fragen sind in der Regel vorgegeben, sie sind für alle Teilnehmer gleich. Teilweise müssen auch vorgegebene Antworten auf die Fragen ausgewählt werden.
Gruppendiskussionen
Hierbei wird ein Problem zur Diskussion gestellt mit dem Ziel, gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten. Oft kommt es hierbei auf die Teamfähigkeit und die gemeinschaftliche Erarbeitung einer Problemlösung an. Vielfach wird die Gruppendiskussion auch als Rollenspiel veranstaltet, bei dem ein Bewerber als Einkäufer, einer als Lagerarbeiter und einer als Betriebsrat fungiert oder ähnliches.
Postkorbübung
Bei der Postkorbübung geht es darum, die Organisationstalente heraus zu streichen. Es werden verschiedene Aufgaben schriftlich festgehalten. Die Bewerber müssen diese nun in einer Reihenfolge für die Abarbeitung sortieren und bestimmen, welche Aufgaben delegiert werden können und welche selbst erledigt werden müssen.
Präsentationen und Vorträge
Ebenfalls ist es bei vielen Stellen wichtig, frei zu sprechen. Im Assessment-Center wird deshalb oftmals auch eine Präsentation zu einem vorgegebenen Thema abgehalten. Die Arbeitgeber verlangen hier häufig, dass die Bewerber aus dem Stegreif eine Rede zu dem jeweiligen Thema halten. Die Vorbereitungszeit beläuft sich dabei in der Regel auf wenige Minuten.

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