Hallo Community,

ich habe hier ein Problem und weiss nicht wirklich, was ich tun soll/kann. Beim "googeln" bin ich dann auf dieses Forum gestossen und habe auch schon einige interessante Beiträge gefunden. Dennoch hab eich ein Problem und weiss nicht so recht, wie ich damit umgehen kann.

Zur Situation;
Ich bin in einem IT-Systemhaus beschäftigt und wir haben seit Juni letzten Jahres Kurzarbeit. Die Branche erholt sich und auch unsere Kunden geben nach und nach ihre Kurzarbeit auf da sie wieder volle Auftragsbücher haben. Bei uns kam noch kein Signal, dass endlich Ende ist mit der Kurzarbeit.

Da ich im Bereich "Kundenbetreuung/Support" arbeite könnten wir nicht behaupten, dass die Anfragen zurück gingen. Im Gegenteil, die Anfragen an unserer Hotline sind im letzten Jahr gestiegen und wir müssen durch die Kurzarbeit bedingt deutlich mehr in weniger Zeit leisten und haben im Prinzip auch weniger Mitarbeiter zur Verfügung, wenn man das auf die Woche rechnet.

Bei uns gibt es eine 35-Stunden-Woche aber keiner der Mitarbeiter macht in der Regel weniger als 40 Stunden. Nun herrscht seit Juni 2009 Kurzarbeit mit 20%. Ausgenommen sind lediglich offiziell die Bereiche Vertreib (ja, man glaubt wirklich einfach nur verkaufen zu müssen, wer die Bestands/Neukunden betreut ist ja egal, Hauptsache man hat die Kunden am Haken). Während in der Entwicklungsabteilung das mit der Kurzarbeit gut gehandhabt werden kann (Entwickler ist halt dann einfach nicht da) wird von uns in der Kundenbetreuung eigentlich "Dienst nach Plan" verlangt. Die Bereichsleitung reagiert auch nur mit abschätzigen Bemerkungen, wenn wir auf das Missverhältnis Forderungen der Kurzarbeit/Tatsächliches Arbeitspensum ansprechen.
Ich selbst bin Abteilungsleiter und wurde im1. halben Jahr der Kurzarbeit häufig trotz Kurzarbeitstag in die Firma beordert. Ausgleich/Nachholung der Kurzarbeit gab es keine (wurde auch auf Nachfrage abgebügelt mit dem Argument es ginge hier um Arbeitsplatzsicherung und da muss man sich über Kurzarbeit auch hinwegsetzen, das sei ja nur eine Formalie auf dem Papier ). Mehr als 1/2 Jahr konnte ich die Kurzarbeit überhaut nicht leisten (mir wurden selbst Termine an Tagen gemacht die als Kurzarbeit im Kalender vermerkt waren)
Mittlerweile arbeiten wir ca. 40 Stunden im Schnitt an 4 Tagen (35 Std. entsprächen der vollen Normalarbeitszeit). Meinen Mitarbeitern ordne ich strikt an, dass sie die Kurzarbeit (1 Tag/Woche) auch nehmen sollen und nehme dadurch personelle Engpässe in Kauf. Das bringt mich natürlich häufig in Konflikte mit meiner Bereichsleitung die einfach erwartet, dass Kurzarbeit ignoriert wird. Nachdem dies so aussieht, bin auch ich dazu übergegangen meinen KU-Tag in der Woche strikt zu nehmen. Dennoch sind wir alle an den Anwesenheitstagen weit über "Normalarbeitszeit".

Die Stunden werden in einer Zeiterfassung manuell eingetragen und wir sind angehalten, auch bei längerer Anwesenheit strickt 20% auf Kurzarbeit zu schreiben. So kommen lt. Zeiterfassung natürlich die richtigen KU-Zeiten im Summe raus, die mehr geleisteten Stunden fallen halt unter den Tisch.

Weiter:
- Einen Betriebsrat gibt es nicht
- Der Geschäftsführung geht es gut (neuer A8 darf da auch mal sein)
- Interne Diskussion: unmöglich ohne personelle Konsequenzen fürchten zu müssen
- Die betreffenden Mitarbeiter sind zwar in der Minderheit aber nun absolut an Ihrer Leistungsgrenze.

Ich halte es für ethisch unmoralisch in Kurzarbeit zu sein, aber in der anwesenden Zeit dennoch deutlich mehr zu arbeiten als per Vertrag vereinbart (echte Kurzarbeit also NULL).

Zudem werden Neueinstellungen vorgenommen aber in Bereichen wo keine personellen Engpässe sind, sondern wo es halt "chic" ist (man braucht ja unbedingt noch einen Marketingmitarbeiter mehr aber bloß keinen Kundenbetreuer...)

Ich könnt echt schreien, weiss mir echt nicht zu helfen. Soll ich die Firma anonym anzeigen? Wen ja, wie soll man denen das nachweisen (Stundenzettel stimmen ja, da sie passend gemacht werden)? Wenn man den Arbeitgeber anonym anzeigt, wie kann man Beweise für den Missbrauch liefern ohne die Anonymität aufzugeben? Wie kann die Arge effektive Prüfungen vornehmen um den Arbeitgeber zu "überführen"? Und vor allem: welche Konsequenzen ergeben sich für die Mitarbeiter, welche auf mündliche Anweisung und aus Angst vor Repressalien ihre Arbeitszeiten "schönen" mussten?

So jetzt habe ich viel geschrieben und hoffe, das mir möglichst viele von ihren Erfahrungen berichten können und vielleicht einen Ausweg aus der "Zwickmühle" aufzeigen können.

Gute Nacht und Danke.
"Burnout"